Para-Tischtennis: 2 Hessen hoffen auf Rio / Ein Rechenexempel mit offenem Ausgang

Para-Tischtennis: 2 Hessen hoffen auf Rio / Ein Rechenexempel mit offenem Ausgang

In vielen Sportarten stehen die Olympia-Qualifikationen noch bevor, in einigen laufen sie schon, im Para-Tischtennis sind sie bereits abgeschlossen. Jedenfalls sind für die Athletinnen und Athleten alle sportlichen Möglichkeiten seit dem Weltcup im Dezember in Costa Rica ausgeschöpft – was seit dem Erscheinen der neuen Januar-Weltrangliste nun begonnen hat, ist das große Warten und Rechnen. Jörg Didion (RSC Frankfurt/Rollstuhlklasse 5) war in Mittelamerika zwar mit dabei und hat dort als Doppelsieger im Einzel wie auch mit dem Team (gemeinsam mit Dietmar Kober) den maximalen Erfolg mitgenommen. Einen angemessen großen Sprung nach vorne konnte er im internationalen Ranking deshalb aber nicht machen, was an einem Bewertungssystem liegt, das nicht nur er alleine als unsportlich einstuft. So hätte er für die beiden Weltcupsiege nur dann eine adäquate Punktzahl sammeln können, wenn die auf der Weltrangliste mit ihm konkurrierenden Spieler in diesem Wettkampf auch direkt gegen ihn angetreten wären. Doch die meisten von ihnen waren gar nicht erst nach Costa Rica gereist. Dass besagtes schwer durchschaubares Bewertungssystem seit Jahresbeginn nicht mehr existiert, hilft Didion wenig: „Die Olympia-Qualifikation wurde noch in diesem Modus ausgespielt. Da kann man nichts machen“, sagt der 44 Jahre alte Bauingenieur, der nun auf Rang 15 der Rangliste notiert ist. Für ein Ticket nach Rio hätte der amtierende deutsche Einzelmeister in der Klasse W5 jedoch auf dem elften Platz stehen müssen. Dass trotzdem noch Hoffnung auf eine Teilnahme an den Spielen besteht, liegt daran, dass sein Verband eine Wildcard für ihn beantragen kann. Didion: „Da schätze ich meine Chancen recht gut ein, zumal ich mit Valentin Baus ein Team bilden kann.“ Gemeinsam mit dem Bochumer, der 2014 Weltmeister wurde, war Didion im vergangenen Herbst Team-Europameister geworden. Wie lange es noch dauern wird, bis hinsichtlich seiner Olympia-Teilnahme eine endgültige Entscheidung gefallen ist, vermag der Frankfurter nicht zu sagen: „Das kann sich noch bis in den März hinein hinziehen.

Gedanken an die Zukunft

In einer ganz ähnlichen Situation befindet sich auch Thorsten Schwinn (TGO TV Roßdorf), der in der Wettkampfklasse 7 (stehend) an den Start geht. Der 38 Jahre alte Lehrer konnte sich eine Reise nach Costa Rica finanziell nicht leisten und ist in der neuen Weltrangliste auf Position 14 notiert, was eine Direktqualifikation für Rio eher unwahrscheinlich macht, wiewohl Schwinn nicht weiß, ob nur die ersten zwölf oder die ersten 16 des aktuellen Rankings zu den Spielen fahren dürfen. Im ersten Fall wäre er draußen, im günstigeren Fall ohne weiteres Bangen mit dabei. Doch selbst wenn die 12er-Option zutreffen sollte, besteht auch für ihn über die sogenannten Nachrutscherplätze noch weitere Hoffnung. Schwinn, der erst vor kurzem zum zweiten Mal Vater wurde, ist sich sicher, dass es für deutsche Athletinnen und Athleten in Zukunft immer schwieriger werden wird, international zu bestehen. In Großbritannien und Brasilien seien so gut wie alle Handicap-Tischtennisspieler auf Spitzenniveau Profis – eine Entwicklung, die in Deutschland noch nicht absehbar sei. Schwinn: „Wenn wir zumindest teilweise noch mithalten können, dann wird die Generation nach uns keine Chance mehr haben.“ Bleibt zu hoffen, dass sich diese düstere Prognose nicht bewahrheiten wird.