OLYMPIA 2016: So erfolgreich wie lange nicht / Hessische Athleten gewinnen sieben Medaillen in Rio

OLYMPIA 2016: So erfolgreich wie lange nicht / Hessische Athleten gewinnen sieben Medaillen in Rio

Die Bilanz der 31. Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro fällt aus hessischer Sicht ausgesprochen positiv aus: Seit Barcelona 1992 hat es nicht mehr so viele Medaillen gegeben, nämlich sieben an der Zahl. Dabei ist es ein Novum, dass drei Sportler jeweils Einzelgold gewonnen haben – das war noch nie da. Auch die Stiftung Sporthilfe Hessen hat zu diesen Erfolgen ihren Beitrag geleistet.

Beim Rückblick auf das Großereignis ist der Olympiasieg von Turn-As Fabian Hambüchen am Reck nicht nur für Hessen, sondern für ganz Deutschland einer der großen Momente dieser Spiele gewesen. Das schier Unglaubliche war, dass Hambüchen, der noch in London 2012 als Titelaspirant gegolten hatte, den Sieg erst geschafft hat, als ihn niemand mehr auf der Rechnung hatte – nicht als Medaillenkandidat und selbst seine Olympiaqualifikation durfte lange mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Doch der Wetzlarer (28), der seine Karriere nun beendet, konnte sich seinen Traum doch noch erfüllen. Nach Bronze in Peking und Silber in London nun also Gold!

Erfolgreiche Schützen

Um bei den Einzelsiegern zu bleiben, so gingen zwei von drei deutschen Goldmedaillen der Sportschützen nach Hessen! Der Triumph von Henri Junghänel (KK-Liegend), der von der Stiftung Sporthilfe Hessen mit einem Stipendium unterstützt wurde, war nur eine kleine Überraschung, zumal der Student (28) schon 2013 Weltsportschütze des Jahres war und außerdem den vorolympischen Weltcup in Rio gewonnen hat. Bei den Schnellfeuerpistolenschützen war die Erwartungshaltung alleine deshalb schon größer, weil Hessen mit den Kriftelern Christian Reitz und Oliver Geis gleich zwei heiße Eisen im Feuer hatte. Da konnte man davon ausgehen, dass es einer von ihnen vielleicht aufs Podest schaffen würde. Und in der Tat: Christian Reitz, der bereits 2008 in Peking Bronze gewonnen hatte, nahm das Ding in die Hand.

Ballsport – auch eine hessische Domäne

Mit dem Olympiasieg der Fußballfrauen, zu denen mit Saskia Bartusiak, Mandy Islacker, Simone Laudehr und Dzsenifer Marozsán vier Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt gehörten, hat zwei Jahre nach dem WM-Titel der Männer erneut ein deutsches Team im Maracana-Stadion triumphiert. Das ist umso schöner, als die Elf der scheidenden Bundestrainerin Silvia Neid auf internationaler Ebene längst nicht mehr so extrem dominant ist, wie das noch in den „Nuller“-Jahren der Fall war, als ein Olympiasieg aber ausblieb.

Die deutschen Handballer, die ja amtierende Europameister sind, wollten den Olympiasieg unbedingt. Sie waren mit breiter Brust nach Rio gereist, um dann doch einsehen zu müssen, dass Träume nicht immer in Erfüllung gehen. Dass sich die Mannschaft mit den beiden Hessen Steffen Fäth und Andreas Wolff nach der Halbfinale-Niederlage gegen Frankreich wieder steigern konnte, spricht für die Moral im Team und auch für die Zukunft.

Dressurland Hessen

Die am klarsten vorhersehbare Medaille war sicherlich jene im Dressurreiten mit der Mannschaft, zu der mit Dorothee Schneider und Sönke Rothenberger ebenfalls zwei Hessen gehörten. Schneider hat nach London 2012 nun schon zum zweiten Mal eine Mannschafts-Medaille gewonnen – damals war es Silber, jetzt ist es Gold. Im Vergleich dazu haben die deutschen Springreiter im Weltsport deutlich mehr Konkurrenz. Nachdem sie sich in London gar nicht erst für das Nationenpreis-Finale qualifiziert hatten, war die Bronzemedaille von Rio ein wunderbarer Erfolg, den der Wiesbadener Daniel Deußer auf First Class mit einem fehlerfreien Ritt sicherstellte.

Lohnende Investitionen in den Spitzensport

Nun ist es nicht so, dass bei Olympia ausschließlich und nur Medaillen zählen. Denn Weltklasseleistungen haben auch jene Athletinnen und Athleten erbracht, die das Podest knapp verfehlt haben. So gesehen sind der fünfte Platz von Carolin Schäfer im Siebenkampf und der deutsche Rekordlauf der Frankfurterin Gesa Krause über 3000m-Hindernis genauso zu würdigen wie die Leistungen von Betty Heidler im Hammerwerfen sowie von Lisa Mayer mit der 4x100m-Staffel. Beide Leichtathletinnen wurden Vierte. Nicht ganz so gut gelaufen ist es bei den Schwimmern, wobei Sarah Köhler über 400m-Freistil eine persönliche Bestleistung erzielte und über 800m im Finale war. Überzeugen konnte auch der Freiwasserschwimmer Christian Reichert als Neunter.

Für alle diese Erfolge hat die Stiftung Sporthilfe Hessen in den vergangenen vier Jahren 500.000 Euro investiert, wobei zusätzlich noch 150.000 Euro in Stipendien geflossen sind, mit denen die sogenannte „duale Karriere“ der hessischen Athletinnen und Athleten überstützt wurde. Die Ergebnisse von Rio zeigen, dass sich dieser hohe Einsatz gelohnt hat, die Rahmenbedingungen also gestimmt haben. Schließlich sollte allen Olympioniken, die ihre Leistung nicht wunschgemäß abrufen konnten, darunter auch Brustschwimmer Marco Koch, der als Goldfavorit über 200m-Brust auf dem siebten Platz landete, gesagt sein, dass Niederlagen zum Sport dazugehören und wir auch ihnen für ihren großen Einsatz ganz herzlich danken. Nun wandern unsere Gedanken nach Tokio, denn nach den Spielen ist vor den Spielen!