OLYMPIA 2016: High Noon in Rio / Henri Junghänel ist Olympiasieger

OLYMPIA 2016: High Noon in Rio / Henri Junghänel ist Olympiasieger

Heeerni Junghäneeeel rief der Stadionsprecher in Boxsport-Manier bei der Siegerehrung im 50m-Liegendschießen mit dem Kleinkalibergewehr – und dann bestieg der „Hessen-Henri“ den Thron in einer der Königsdisziplinen des Sportschießens. In einem extrem aufregenden Finale hat sich der 28 Jahre alte Odenwälder kaum einen Wackler geleistet. Als Achter und damit Letzter ins Finale eingezogen, hatte er von Anfang an einen unwiderstehlichen Lauf. Henri Junghänel schoss auch meistens als Letzter, wartete immer den Moment länger ab und traf dann ins Schwarze. Im Stile eines so abgebrühten wie friedfertigen Westernhelden arbeitete er sich vom dritten Platz auf die Goldposition vor, verlor sie kurz an den schlussendlich drittplatzierten Kirill Grigorian (Russland/187,3 Ringe) und eroberte sie mit einer sprachlos machenden Coolness auch wieder zurück.

Mit Olympischem Rekord

Der Weltsportschütze des Jahres 2013 hatte im Finale von Rio von Anfang an einen zielgerichteten Blick. Es folgten prüfende Blicke zu den Mitstreitern, die postwendend beantwortet wurden. Dieses gegenseitige Belauern, das immer wieder vom Aussscheiden des jeweils schlechtesten Schützen begleitet war, mündete bei Junghänel irgendwann in ein dahinhuschendes Lächeln, als er Momente vor der Entscheidung erneut in Führung ging. Der spätere Silbermedaillengewinner, Kim Jonghyun (Südkorea/208,2 Ringe), leistete sich im letzten Duell noch ein Augenzucken in Richtung seines deutschen Kontrahenten, und dann war das Ding durch. Henri Junghänel, der schon immer gesagt hat, dass es beim Schießen so sehr auf die Tagesform ankommt, hat sich heute von nichts und niemandem irritieren lassen. Mit 209,5 Ringen ist er der logische Olympiasieger 2016 im KK-Liegendschießen und das mit Olympischem Rekord. Ein Originalzitat von Henri Junghänel gab es selbst vier Stunden nach seinem Lebenserfolg in den internationalen Medien noch nicht. Und als es endlich kam, hörte es sich nach Aufhören an. Junghänel, der als Kind auf dem Jahrmarkt vom Schießen begeistert war, möchte nun am liebsten ein Jahr Pause machen und sich dann einen Job suchen. Mit einem Prädikatsexamen als Maschinenbau-Ingenieur sieht er in diesem Metier seine Zukunft. Weil – vom Schießen kann niemand leben.  

Die Stiftung Sporthilfe Hessen gratuliert
HENRI JUNGHÄNEL zur GOLDMEDAILLE!