Leichtathletik: Halbe Freude lässt sich nicht teilen / Im WM-Finale hatten Kathrin Klaas und Betty Heidler keine Fortune, dafür haben sie Luft nach oben gelassen!

Leichtathletik: Halbe Freude lässt sich nicht teilen / Im WM-Finale hatten Kathrin Klaas und Betty Heidler keine Fortune, dafür haben sie Luft nach oben gelassen!

Sicherlich hatten sich die beiden deutschen Hammerwerferinnen, Betty Heidler und Kathrin Klaas, eine Medaille vorgenommen. Vom Potenzial her wäre das auch zweifellos möglich gewesen, doch diese charakterlich so verschiedenen Athletinnen von Eintracht Frankfurt haben ihr Traumziel verfehlt. Sehr gute Leistungen stehen trotzdem zu Buche, denn wie anders sollte man das Erreichen der Plätze sechs (Klaas) und sieben (Heidler) in einem WM-Finale bezeichnen? Dass man das relativeren muss, ist auch klar. Was Kathrin Klaas betrifft, die in einem sehr konstanten Wettkampf mit 73,18m eine Jahresbestleistung erzielte, kann von persönlicher Zufriedenheit am ehesten die Rede sein. Jedenfalls war die hessische Polizeikommissarin mit sichtbarer Freude bei der Sache, wusste sich im letzten Versuch sogar noch einmal zu steigern. „Das war der Höhepunkt der Saison hier. Da muss man ja halbwegs zufrieden sein“, sagte sie im anschließenden TV-Interview und schickte noch nach, dass ihre Gefühle dennoch gemischt seien. Das mag besser verstehen, wer weiß, wie oft Kathrin Klaas bei internationalen Großereignissen schon an einer Medaille gekratzt hat (bei den Spielen in London 2012 wurde sie Fünfte), aber noch nie hat es fürs Podium gereicht. Auch diesmal nicht, doch die zuletzt von Rückenproblemen geplagte Werferin hat im kommenden Jahr, bei Spielen in Rio, auf jeden Fall noch einmal die Chance, ihre lange Karriere zu krönen.

Gefühle, die motivieren können

Was Betty Heidler angeht, so waren im Wettkampf bei ihr Ernsthaftigkeit und eine vorauseilende Enttäuschung schon nach dem ersten Versuch zu erkennen. Der ARD-Moderator sprach von einer Verkopftheit, die er bei beiden Deutschen zu erkennen glaubte; für Kathrin Klaas revidierte er diese Bemerkung im Verlauf des Finales. Heidler hingegen, die Weltmeisterin von 2007, langjährige Weltrekordhalterin und Olympia-Dritte von London 2012, die als Zweite der Weltjahresbestenliste ins Vogelnest nach Peking gekommen war, fand in diesem WM-Wettkampf keinen Modus Vivendi, kein Rezept, um der übermächtigen Polin Anita Wlodarczyk (80,85m) auch nur annähernd Parolie bieten zu können. Mit 72,56m war sie unter ihren Möglichkeiten geblieben und suchte danach nach Erklärungen: „Ich habe den Hammer überhaupt gar nicht getroffen. Und wenn der fünfte Versuch nicht hinhaut, wird es eng, dann kannste den ganzen Wettkampf in die Tonne kloppen“, sagte die Jurastudentin enttäuscht. Dass Wlodarczyk gewinnen würde, sei sowieso klar gewesen, sagte Heidler noch, die Silbermedaille gewann die Chinesin Zhang Wenxiu (76,33), Bronze ging ganz überraschend an die Französin Alexandra Tavernier (74,02).