Judo: Wieczerzak wird Deutscher Meister mit Bänderriss

Judo: Wieczerzak wird Deutscher Meister mit Bänderriss

Judo: Wieczerzak wird Deutscher Meister mit Bänderriss

Unglaublich, aber wahr: Bei der Deutschen Meisterschaft in Bonn hat sich Alexander Wieczerzak (JC Wiesbaden) im Finale der Gewichtsklasse bis 81 kg gegen Dominic Ressel (TSV Kronsberg) das Außenband im rechten Kniegelenk gerissen, den Titel aber trotzdem gewonnen. „Mich hat der pure Wille weitergetrieben“, erzählt der auf Fotos eher sensibel wirkende junge Mann, der von seiner Verletzung aufgrund der hohen Adrenalinausschüttung in seinem Körper zunächst so gut wie nichts spürte. „Ich hab‘ nur gemerkt, dass was nicht stimmt, ich mit meinem Gegner jetzt kurzen Prozess machen muss. Das ist mir gelungen. Ich kann das selbst gar nicht fassen.

Dieser so spektakulär errungene Sieg wird für den 23-jährigen Sportsoldaten eine mehrwöchige Wettkampfpause zur Folge haben, was die Freude über seinen ersten Deutschen Meistertitel bei den Männern nachhaltig trübt. Da bei nationalen Wettkämpfen für die seit Jahresbeginn laufende Olympiaqualifikation keine Punkte vergeben werden, ist dieser Erfolg für ihn obendrein auch noch von untergeordneter Wichtigkeit. Der bei den Judosportlern gerade eröffnete Kampf um die begehrten Olympia-Tickets wird schon alleine deshalb sehr hart, weil bei den Spielen in Rio in jeder Gewichtsklasse jeweils nur ein Athlet für den Deutschen Judobund an den Start gehen darf. Das Gerangel in der sogenannten Königsklasse bis 81 kg, in der Alexander Wieczerzak antritt, kann man sich unschwer ausmalen und Wieczerzak bestätigt: „Die Konkurrenz ist groß. Ich muss wirklich alles geben, um das zu schaffen.“ Dass er momentan die besten Karten in der Hand hält, liegt an der Bronzemedaille, die er im Dezember, beim bedeutenden Grand-Slam-Turnier von Tokio gewonnen hat, das bereits für das Jahr 2015 gewertet wird.

Hoffnung auf ein schnelles Comeback ohne OP

Als weiteres Zähl-Turnier für die Spiele in Rio hätte Mitte Februar der Heim-Grand-Prix in Düsseldorf angestanden, an dem der U-20 Weltmeister von 2010 verletzungsbedingt nun nicht teilnehmen kann. Seinen Wiedereinstieg wird er aller Voraussicht nach im April, bei einem Grand-Prix in Georgien versuchen. „Das wäre super, weil ich dann nur einen internationalen Wettkampf verpasst hätte.“ Alexander Wieczerzak, der neben dem Hochleistungssport ein BWL-Fernstudium absolviert, hat sich dafür entschieden, seinen Bänderriss konservativ behandeln zu lassen, will heißen ohne OP. „Ich hab‘ lange überlegt, aber eine OP wäre mit einem längeren Ausfall verbunden gewesen, das hätte vielleicht sogar auf ein halbes Jahr hinauslaufen können.“ Angesichts des großen Leistungsdrucks hat sich der junge Frankfurter, der mittlerweile in Köln lebt und trainiert, weil es dort einen Olympiastützpunkt gibt, anders entschieden. Und Bänderriss hin oder her – er trainiert trotz der Verletzung pausenlos weiter. Judo sei schließlich ein komplexer Sport, bei man sich auch ohne den Einsatz der Kniegelenke weiterentwickeln könne.