Hessische Erfolgsgeschichten – Lisa Mayer Auf dem Weg zum Star

Hessische Erfolgsgeschichten – Lisa Mayer Auf dem Weg zum Star

Ihrem kometenhaften Aufstieg in der deutschen Leichtathletik hat Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) bei den World Relays in Nassau (Bahamas) eine Sternstunde hinzugefügt: Mit der DLV-Staffel (4 x 100 Meter) wurde sie inoffizielle Weltmeisterin.

Nicht nur für Lisa Mayer kam der Staffel-Sieg von Nassau völlig überraschend. Das ganze Team, dem neben ihr auch Alexandra Burghardt (MTG Mannheim), Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) und Tatjana Pinto (LC Paderborn) angehörten, sei vollkommen sprachlos gewesen. „Wir wussten zwar, dass wir schnell sind, aber ein solches Event zu gewinnen, das war etwas ganz Besonderes“, sagt Mayer, die sich gleichwohl darüber bewusst ist, dass Nationen wie Jamaika oder die USA, deren Startläuferin im Finale zu Fall kam, nicht in Bestbesetzung angetreten waren. Doch genauso wie schon bei den Olympischen Spielen in Rio, wo die Germanistikstudentin mit der DLV-Staffel auf dem „undankbaren“ vierten Platz gelandet war, hat sie in Nassau eine Menge Selbstbewusstsein getankt, was auch deshalb notwendig ist, weil Lisa Mayer nicht die einzige Deutsche auf diesem Niveau ist. Die nationale Konkurrenz im Sprintbereich, die solche Staffel-Erfolge erst möglich macht, ist im Gegenteil so stark, dass die Hessin schon hart an sich arbeiten muss, wie sie selbst sagt. Doch ein bisschen ist es auch ihr Erfolgsgeheimnis, dass sie sich von großen Namen nicht besonders beeindrucken lässt, und ein weiterer Pluspunkt ist ihre lockere Art. Mayer: „Es ist ein Wahnsinn, was seit den Spielen von außen so alles auf mich zugekommen ist. Aber es macht mir auch Spaß, wenn ich die Öffentlichkeit begeistern kann.

Nicht mehr einsam beim Training

In Anbetracht der Tatsache, dass Lisa Mayer mit gerade erst 21 Jahren noch am Anfang ihrer sportlichen Karriere steht, ist sie schon sehr weit gekommen, was ein Stück weit auch mit der Unterstützung durch die Stiftung Sporthilfe Hessen zusammenhängt. „Als Hochleistungssportlerin und Studentin kann ich nicht noch nebenbei einen Job annehmen. Deshalb bin ich auf diese Hilfe angewiesen“, so Mayer, die sich im Herbst 2016 einer Trainingsgruppe am Olympia-Stützpunkt in Mannheim bei Bundestrainer Rüdiger Harksen angeschlossen hat. Während sie noch bis zu den Spielen in Rio im heimischen Langgöns häufig alleine trainiert hat, sind nun andere Athletinnen auf Augenhöhe an ihrer Seite. „Da werde ich ganz anders gefordert“, betont sie und denkt an den im August bevorstehenden Saisonhöhepunkt – die Weltmeisterschaft in London. Da möchte sie über 200 Meter im Einzel an den Start gehen und natürlich mit der Sprintstaffel, wo mit etwas Glück auch eine Überraschung gelingen könnte. Mit einer Staffel-Goldmedaille rechnet sie jedoch nicht; solchen Illusionen gibt sie sich gar nicht erst hin.

Als Einzelathletin setzt Lisa Mayer nicht nur wegen einer gewissen Startschwäche mehr auf die 200 Meter, wo ihre Bestzeit bei 22,86 Sek. notiert ist. Sie hat auf der Zielgeraden auch gerne etwas mehr Zeit zum Kämpfen und findet generell, dass die 100 Meter „einfach zu schnell vorbei gehen.“ Über diese Distanz stehen bei ihr aktuell 11,25 Sek. zu Buche, und sie hat im Hinterkopf, die 11 Sekunden-Schallmauer irgendwann zu durchbrechen.

Margit Rosa Rehn