Eisschnelllauf: Felix Rijhnen ist ein Einzelkämpfer auf dem Eis

Eisschnelllauf: Felix Rijhnen ist ein Einzelkämpfer auf dem Eis

Eisschnelllauf: Felix Rijhnen ist ein Einzelkämpfer auf dem Eis

Auch in Deutschland kann nicht jeder Spitzensportler, der eine Olympiateilnahme anstrebt, unter professionellen Bedingungen trainieren. Zum Kreis der Betroffenen gehört Felix Rijhnen. Der 24 Jahre alte Weltklasse-Speedskater wechselt im Winter schon seit einigen Jahren auf’s Eis und zählt dort auf nationaler Ebene zu den Besten. Dass er sich trotzdem noch immer als „Hobbyeisläufer“ bezeichnet, ist sicherlich ein wenig pointiert gemeint, entspricht in Anbetracht der Umstände, unter denen er den Eisschnelllauf betreibt, in gewisser Weise aber durchaus den Tatsachen. Doch dazu später. Schließlich stehen für ihn aktuelle Erfolge zu Buche, von denen er sich die Teilnahme am Weltcup Ende Januar in Norwegen versprochen hat. Bei der Deutschen Mehrkampfmeisterschaft in Inzell, die als Qualifikation dafür galt, wurde er Vierter über 4 und über 10 km sowie in der Mehrkampfgesamtwertung. „Damit war ich an den Favoriten schon ganz nahe dran. Im Vergleich zum vorigen Jahr bin ich den Podestplätzen jedenfalls schon ein ganzes Stück näher gekommen“, betont Rijhnen, der gerade sein Polizeistudium erfolgreich abgeschlossen hat und ab Februar als Kommissar in einer Darmstädter Ermittlungsgruppe tätig sein wird.

Das sportliche Sahnehäubchen dieses Winter wäre eine Weltcupteilnahme gewesen, für die er die Nominierung noch im alten Jahr schriftlich erhalten hatte. Daraufhin dachte sich Rijhnen, nicht mehr lange zu fackeln, sondern jetzt alles auf eine Karte zu setzen. Er flog in ein selbstbezahltes Trainingslager, kam zurück und musste erfahren, dass er aus der deutschen Nationalmannschaft wieder herausgeflogen war, also aus und vorbei mit dem Weltcup. Ursächlich war laut Rijhnen eine Änderung der Verbandsziele zum 1. Januar, die besage, dass nur noch solche Athletinnen und Athleten beim Weltcup antreten dürften, die eine sichere Top-Ten-Chance hätten. Rijhnen, der genau das im Vorjahr, bei seinem ersten Weltcup, auf Anhieb geschafft hatte, versteht nun die Welt nicht mehr: „Ich bin unglaublich enttäuscht, hänge die ganze Zeit am Telefon, schreibe Emails, hab‘ mich sogar an den Athletensprecher gewandt, aber bisher hat von keiner Seite jemand etwas bewirken können.“ Sein letzter Strohhalm ist der neu berufene Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG); kommt von ihm eine endgültige Absage, so denkt Rijhnen darüber nach, rechtliche Schritte einzuleiten. „Aber das ist für mich natürlich auch wieder eine Kostenfrage, ich als kleiner Sportler gegen so einen Verband.

Die Stiftung Sporthilfe Hessen steht hinter ihm

Falls ein Weltcupstart trotz aller Bemühungen im laufenden Winter nicht mehr zustandekommen sollte, will Felix Rijhnen die Schlittschuhe aber keineswegs an den Nagel hängen, sondern im kommenden Jahr wieder neu durchstarten. Seine Frustationstoleranz ist so gesehen beachtlich, und das muss sie auch sein, wenn er sich für die Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyöngjang qualifizieren möchte. Für einen in Hessen lebenden Eisschnellläufer sind die Voraussetzungen, dieses Fernziel auch zu erreichen, wegen der für den Hochleistungssport nicht ausreichenden Infrastruktur nicht eben die besten, weshalb er tatsächlich auch der einzige Hesse mit einer so ambitionierten Zielsetzung ist. Rijhnen trainiert auf der einzigen vorhandenen Rundbahn neben der Frankfurter Eissporthalle meistens allein, ohne Trainer, und muss sich darüber hinaus nach den knapp bemessenen Laufzeiten richten, die dort für Wettkampfsportler zur Verfügung stehen. Um an Lehrgängen, respektive an Trainingslagern teilnehmen zu können, ist eine überdurchschnittlich hohe Reisetätigkeit vonnöten, die er weitgehend selbst finanziert. Dabei möchte er herausstellen, „dass die Stiftung Sporthilfe Hessen mein treuester Partner ist. Ohne diese Hilfe hätte ich mit dem Eislaufen schon wieder aufgehört.

Dass er es überhaupt bis in die nationale Spitze geschafft hat, liegt aber nicht zuletzt auch an seiner Erfahrung auf Rollen; er kann also antizipieren. Im Kindergartenalter hat er in Groß-Gerau mit dem Speedskating begonnen, ist amtierender Marathon-Europameister und wurde 2013 WM-Dritter über diese Distanz. Ebenfalls 2013 wurde er Vizeweltmeister im 10 km Punkterennen und hat auf dieser Strecke die Bronzemedaille bei den World Games der nicht olympischen Sportarten gewonnen. Auch auf dem Eis war er schon einmal Deutscher Meister, und zwar in der für ihn naheliegenden Disziplin Massenstart.

Diese jährliche Umstellung von den Rollen auf die Kufen und wieder zurück fällt ihm von Mal zu Mal leichter, wobei einer der größten Unterschiede zwischen den beiden verwandten Sportarten im renntaktischen Moment liege: „Auf dem Eis laufe ich gegen die Uhr, auf den Scates gegen Gegner.“ Ansonsten sei festzuhalten, dass der Trainingsfleiß hier wie dort ein ganz ausschlaggebender Faktor sei: „Wer fit ist, kann in beiden Sportarten ganz viel erreichen.“ Felix Rijhnen, der bis zum letzten Moment um seinen Weltcupstart in Norwegen kämpfen wird, kann sich, falls es nicht klappen sollte, sportlich schon wieder auf den kommenden Sommer konzentrieren: Dann will er einen Weltmeistertitel im Speedskating gewinnen.