Hessische Erfolgsgeschichten: Carolin Schäfer und Claudia Salman-Rath auf dem Weg nach London

Hessische Erfolgsgeschichten: Carolin Schäfer und Claudia Salman-Rath auf dem Weg nach London

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes

Auf dem Weg von Götzis zurück nach Hessen war Carolin Schäfer im Auto gut drauf. „Das war so ein phänomenaler Siebenkampf. Ich bin mit einem ganz ruhigen Gefühl an den Start gegangen, weil meine Vorleistungen ja sehr gut waren“, sagte sie freudig über die Freisprechanlage und hat in der Tat allen Grund, ihren Erfolg zu genießen und für eine kurze Weile mental wie auch körperlich zu entspannen. Mit hervorragenden 6.836 Punkten hat die hessische Polizeikommissarin bei dem international namhaften Mehrkampf-Meeting in der österreichischen Marktgemeinde nahe Bregenz den zweiten Platz belegt. Besser war nur Nafissatou Thiam (Belgien), die Olympiasiegerin von Rio, die mit 7.013 Punkten nun die vierte Siebenkämpferin aller Zeiten ist, die die 7.000er-Schallmauer durchbrochen hat. Doch auch Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) hat Außergewöhnliches vollbracht, denn seit Sabine Braun (Wattenscheid), die den Wettkampf in Götzis im Olympiajahr 1992 mit 6.985 Punkten gewonnen hat, war keine Deutsche so gut wie die 25-jährige Nordhessin, die insgesamt fünf persönliche Einzelbestleistungen erzielt hat und deshalb von einem sogenannten „Flow“-Wettkampf spricht.

Für die nahe Zukunft kann das insofern etwas bedeuten, als das Kult-Meeting im „Mösle“-Stadion von Götzis seit Jahrzehnten die absolute Weltelite anlockt. Es ist ein wichtiger Test und auch ein Qualifikationswettkampf im Hinblick auf die jeweils bevorstehenden Saisonhöhepunkte – in diesem Jahr wartet die Leichtathletik-WM in London (05.-13.August). Bei Sabine Braun waren es 1992 die Olympischen Sommerspiele von Barcelona, wo sie Bronze gewann. Das ist vielleicht ein gutes Omen für Carolin Schäfer, die weiß, dass sie nun zu den internationalen Medaillenaspirantinnen im Siebenkampf zählt, zumal mit Jessica Ennis-Hill (Großbritannien) und Brianne Theisen-Eation (Kanada) zwei Protagonistinnen der vergangenen Jahre ihre Karrieren beendet haben. „Das ist eine Chance, aber es ist trotzdem nicht einfacher geworden“, sagt Schäfer, die mit ihrer Vereinskollegin Claudia Rath bei der EM in Zürich 2014 denkwürdige Minuten erlebt hat.

Damals konnte Schäfer, die sich beim Übergang von den Jugend- in die Aktivenklasse zunächst schwer tat, eine Medaille gewinnen, während Rath abgeschlagen war. Beim abschließenden 800m-Lauf zog die Ältere die Jüngere auf den vierten Platz. Carolin Schäfer weinte, und beide Athletinnen lagen sich nach der Zielankunft in den Armen. Claudia Rath wurde in der hessischen Lokalpresse daraufhin als „Europameisterin der Herzen“ bejubelt. Sie ist mittlerweile über 30, und wer gedacht hätte, die Frau sei über ihren sportlichen Zenit längst hinaus, der muss sich getäuscht sehen. Denn Rath, nun Salman-Rath, ist besser denn je. Bei der Hallen-EM in Belgrad hat sie kürzlich Bronze im Weitsprung gewonnen. Beim Mehrkampf-Meeting in Götzis wurde sie Fünfte mir der neuen persönlichen Bestleistung von 6.815 Punkten. Bei dieser Gelegenheit hat sie sich mit 6,86 Metern auch im Weitsprung für die WM qualifiziert. Da ein Start im Siebenkampf und im Weitsprung jedoch eher unwahrscheinlich sein dürfte, steht vor einer schweren Entscheidung, nicht vor einem Luxusproblem.